Unter dem Cognitiven Walkthrough versteht man eine Inspektionsmethode in der Usability, die ohne Testpersonen durchgeführt wird und bei der im Gegensatz zu anderen Techniken der Schwerpunkt auf die mentalen Prozesse eines bestimmten Users und weniger auf das Interface gelegt wird. Übersetzt bedeutet Cognitive Walkthrough nichts anderes als das Durchdenken eines Problems und gehört zu den analytischen Evaluationsverfahren. Meist werden ein oder aber mehrere Gutachter herangezogen. Mit Hilfe des Cognitive Walkthrough wird die leichte Erlernbarkeit eines Produktes ermittelt. Dabei geht der Usability-Experte davon aus, dass der User den Weg des geringsten Aufwandes gehen wird. Er versetzt sich in den hypothetischen Benutzer und analysiert speziell vorgegebene Handlungsabläufe. Dadurch lässt sich herausfinden, an welchen Stellen das Software-Design vermutlich scheitern wird, warum dies so sein wird und durch welche Maßnahmen man die Irrtümer beheben kann. Unterschiedliche Sichtweisen zwischen dem Benutzer und dem Entwickler bezüglich der Bewältigung von Aufgaben werden enttarnt, schlechte Menübezeichnungen und unzureichende Rückmeldungen des Programms erkannt.
Kognitive Hindernisse können eine oder mehrere Ursachen haben:
- Der User wird nicht versuchen, den richtigen Schritt herbei zu führen.
- Der User erkennt nicht, dass die gewollte Aktion verfügbar ist.
- Der User erkennt nicht den Zusammenhang zwischen der richtigen Aktion und der erwünschten Auswirkung.
- Der User kann zwar die richtige Aktion durchführen, sieht aber nicht den Erfolg seiner Handlung.
Im 1. Fall wird eine der folgenden alternativen Änderungen an der Software vorgenommen:
- Der nächste vorgesehene Schritt im Software-Design ist überflüssig und sollte deshalb gelöscht werden oder
- Der nächste vorgesehene Schritt ist unerwartet und sollte aufgrund dessen automatisch ablaufen oder
- Das Interface muss die nächste im Software-Design vorgesehene Aktion eindeutig suggerieren.
Im 2. Fall wird der Auslöser deutlicher sichtbar gemacht, damit der User die gewünschte Aktion durchführen kann.
Im 3. Fall findet man Abhilfe in einer eindeutigen Beschriftung von Aktionsbuttons bzw. Menülabels und/oder in einem Verzicht mehrerer Optionen.
Im 4. Fall sehen die Entwickler, dass der User des Systems ein eindeutiges Feedback über den Erfolg oder Misserfolg seiner Aktion gebraucht hätte.
Das Cognitive Walkthrough wird prinzipielll in vier Schritte aufgegliedert:
- Gute Vorbereitung und Definition des Inputs:
- Ermittlung ein oder mehrerer typischer und realistischer Aufgaben, die der hypothetische Benutzer durchführen möchte (Beispielaufgaben, Aufgabenanalyse)
- Für jede Aufgabe wird festgelegt, welchen Weg der User im Idealfall gehen wird, um seine Aufgabe durchzuführen (Handlungssequenzen)
- Überprüfung der Einzelschritte des korrekten Lösungsweges (Durchdenken der für jede Benutzereingabe nötigen Voraussetzungen, sowie der daraus folgenden Fragen):
- Wird der User versuchen, den richtigen Effekt zu erreichen?
- Wird der User erkennen, dass die korrekte Aktion verfügbar ist?
- Wird der User eine Verknüpfung zwischen der richtigen Aktion und dem gewollten Effekt herstellen?
- Nach Ausführung der richtigen Aktion: Wird der User die Weiterentwicklung erkennen und Rückmeldung erhalten?
- Protokollierung kritischer Informationen
- Welche Informationen (Kenntnisse und Erfahrung der User zur erfolgreichen Durchführung der Handlungsschritte) werden benötigt?
- Angaben über Aktionen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Fehlbedienungen und damit zu Problemen beim User führen
- Auflistung aller vermutlichen Gründe für die Fehlbedienung
- die zuvor festgelegten Abläufe sollen während des Testes nicht mehr verändert werden
- Überarbeitung des Interfaces
Wie andere Usability-Methoden hat auch das Cognitive Walkthrough Vor- und Nachteile.
Vorteile:
- die einzige Methode zur Überprüfung der Handhabung eines Systems
- schnell und einfach durchführbar
- geringe Kosten
- Durchführung schon in einem sehr frühen Entwicklungsstadium (Benutzertests sind dort noch nicht durchführbar)
Nachteile:
- getestet wird von Experten und nicht von echten Anwendern
- vorausgehende sehr aufwändige und detaillierte Aufgabenanalyse
- für jede Aufgabe muss eigener Cognitive Walkthrough erarbeitet werden