Für das Internet zu schreiben ist anders als klassischer Journalismus. Es geht nicht ausschließlich um das Gelesen-, sondern um das Gefundenwerden. Mithilfe einer Reihe von Methoden lässt sich die Chance, in der weltweit größte Suchmaschine Google weit vorne gelistet zu werden, erhöhen. Diese 10 hier aufgeführten zumeist einfach umsetzbaren Tipps sind bereits ein Schritt in diese Richtung.
1. Analysieren Sie Ihre Nutzer.
Mit dem Nutzer auf Augenhöhe kommunizieren heißt auch: zu wissen, woher er kommt, was ihn interessiert. Dafür sind im Web keine aufwendigen Meinungsumfragen mehr notwendig – ein Blick in die Statistik genügt. Machen Sie sich mit den einschlägigen Web-Analyse-Tools vertraut! Online-Redakteure, die diese Möglichkeiten nicht nutzen und an den Interessen der Nutzer sozusagen vorbei berichten, sind in etwa vergleichbar mit Zeitungsreportern, die mit verbundenen Augen und Ohrenstöpseln am Ort des Geschehens auftauchen. Analysieren Sie Ihre Nutzer. Schauen Sie sich die Keywords an, über die Nutzer auf Ihre Seiten gelangen und lernen Sie daraus.
2. Her mit den Keywords!
Suchmaschinen sind indexbasierte Softwareprogramme, die automatisch das World Wide Web durchsuchen und ihren Datenbestand selbstständig erweitern. Es gibt bei Google & Co. keine menschlichen Editoren, die von morgens bis abends Webseiten lesen und in einer Datenbank mit Schlagwörtern versehen. Das Thema einer Webseite wird mithilfe einer algorithmischen Auswertung der Wörter ermittelt, die auf einer Webseite geschrieben stehen. Gefunden wird deshalb grundsätzlich nur, was auf der Webseite auch geschrieben steht. Also verwenden Sie die Keywords, die Suchmaschinennutzer bei Google & Co. eingeben und schreiben Sie nicht Autobahngegenstromeinbieger oder Gegenrichtungsfahrbahnbenutzer, wenn sie Geisterfahrer meinen – danach sucht niemand.
3. Verwenden Sie das gebräuchliche Wort.
Grundsätzlich gilt für suchmaschinenoptimiertes Texten das Gleiche, was Wolf Schneider in „Deutsch für Profis“ schreibt: Verwenden Sie das treffende, das gebräuchliche Wort. Das deutsche Wort ist jedoch nicht immer die beste Wahl. Für den Fall, dass es unterschiedliche Schreibweisen oder gleichrangige Synonyme gibt: Schauen Sie bei Google Trends, Google Insights for Search oder dem Google-Keyword-Tool nach, welche themenverwandten Begriffe es gibt und welche Wörter häufiger (oder seltener gesucht) werden. Je genauer das Keyword oder die Keyword-Kombination auf der Webseite abgebildet wird, desto besser. Allerdings muss man sich sprachlich heute nicht mehr verbiegen, wenn’s nicht 100-prozentig passt. Dank sogenannter Word-Stemming-Algorithemen und Algorithmen zur Mehrwortgruppenidentifikation, ist Google heute in der Lage, unterschiedliche Schreibweisen eines Begriffs in einem künstlich errechneten Wortstamm zusammenführen und erkennt die einzelnen Wörter in Zusammensetzungen (Marktforschungsinstitut).
4. Besser getrennt als zusammengeschrieben.
Mehrzweck-Küchenmaschine oder Mehrzweckküchenmaschine? Irak-Krieg oder Irakkrieg? Die deutsche Sprache erlaubt oft beide Schreibweisen. Grundsätzlich soll ein Binderstrich unübersichtliche Zusammensetzungen lesbarer machen und dabei helfen, Missverständnisse zu vermeiden. Aus Suchmaschinensicht dient der Bindestrich als Wortseparator und deutet darauf hin, dass die beiden umliegenden Wörter eng miteinander verbunden sind. Wortseparatoren nennt man Satz-, Leer- oder Sonderzeichen, die bei der maschinellen Textanalyse die umliegenden Zeichenanhäufungen als Wort identifizieren. Sind beide Schreibweisen möglich, sollte man also die getrennte Schreibweise bevorzugen. So wird die Webseite mit beiden Suchbegriff-Varianten besser gefunden.
5. Das wichtigste gehört an den Anfang.
Das Wichtigste gehört an den Anfang. Nachrichtenredakteure wissen das. Unter den klassischen journalistischen Darstellungsformen ist die Nachricht, die am stärksten hierarchische Textsorte. Der gesamte Aufbau folgt dem Prinzip der abnehmenden Wichtigkeit. Suchmaschinen analysieren Texte in ähnlicher Weise. Über 200 Kriterien fließen nach Google-Aussagen ins Ranking ein. Bei etwa der Hälfte davon geht es darum, das relevanteste Web-Dokument in Bezug auf einen Suchbegriff zu ermitteln. Dazu imitieren Suchmaschinen das menschliche Verhalten und menschliche Erwartungshaltungen – Zeitungsleser beginnen ihre Lektüre ja auch nicht im dritten oder vierten Absatz, sondern orientieren sich zunächst an der Überschrift. Überschriften, Zwischenüberschriften, Absätze, Sätze und Wörter werden von Google umso bedeutender eingestuft, je weiter vorne sie stehen.
Achtung: <Title>-Tag und Überschrift sind nicht dasselbe! Für den Titel einer Webseite gibt es das <Title>-Tag. Überschriften werden in HTML-Dokumenten mit den Tags <h1> bis <h6> ausgezeichnet. HTML unterscheidet sechs Überschriftenebenen, um Hierarchieverhältnisse auszudrücken. <h1> steht für die höchste Ebene, <h6> für die niedrigste. Das <h1> Tag sollte nur einmal auf einer Webseite verwendet werden und möglichst identisch sein mit dem <Title>-Tag.
6. Vorsicht mit Synonymen.
Wenn in einem Zeitungsartikel steht, dass 242 Abgeordnete für einen Gesetzesentwurf gestimmt haben, und 160 Parlamentarier dagegen waren, dann ist das ärgerlich. Parlamentarier, so schon Walther von La Roche, ist als Begriff zwar bekannt, als Variante zu Abgeordneter erregt dieser Begriff aber für einen Sekundenbruchteil Zweifel. Nicht Abwechslung, nur Wiederholung schafft Verständlichkeit. Zentrale Aussagen und einzelne Begriffe dürfen wiederholt werden – und zwar nicht nur im Radio. Denn wie relevant eine Webseite in Bezug auf einen Suchbegriff ist, erkennen Suchmaschinen auch daran, wie häufig der Suchbegriff auf der Webseite geschrieben steht.
7. Verwenden Sie Synonyme.
Zu viele Synonyme sind eher schädlich, sowohl für das menschliche Verständnis als auch für das Ranking bei Google. Die Betonung liegt allerdings auf eher schädlich, denn auf synonyme und themenverwandte Begriffe sollte man keineswegs verzichten. Zum einen, weil die unnatürliche Anhäufung von Suchbegriffen von den Anti-Spam-Filtern erkannt und als Manipulationsversuch interpretiert wird, zum anderen, weil Suchmaschinenoptimierer davon ausgehen, dass Google heute auf semantisch verwandte Wörter achtet, vermutlich auch beim Ranking. Die dazugehörige Technik nennt sich Latent Semantische Indexierung. Demnach rankt etwa eine Seite zum Thema Rezepte besser, wenn dort auch verwandte Begriffe wie Pfanne, Topf oder Zubereitung stehen. Suchmaschinenoptimierer empfehlen eine optimale Keyword-Dichte von drei bis vier Prozent. Die Empfehlung bezieht sich auf den gesamten Text-Content, also auch auf den Text in weiterführenden Linklisten etc. Vertrauen Sie Ihrem natürlichen Sprachgefühl. Wiederholen Sie, wenn Sie den Eindruck haben, dass es Ihren Text verständlicher macht. Verwenden Sie Synonyme, wenn Sie den Eindruck haben, dass er sonst zu eintönig und gekünstelt wirkt. Der am besten optimierte Text ist auf lange Sicht ein Text, dem man beim Lesen nicht anmerkt, dass er suchmaschinenoptimiert ist. Bleiben Sie menschlich!
8. Nennen Sie die Dinge beim Namen.
Metaphern können einen Text eindringlich und anschaulich machen. Aber es bringt journalistisch nichts, für ein Kamel das Wüstenschiff zu sagen. Im Informationsjournalismus sollte die Eindringlichkeit und Anschaulichkeit von der Wiedergabe der Wirklichkeit durch Schilderung, Beschreibung und Bericht herrühren – nicht von abgenutzten Metaphern. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und man darauf wartet, bis es sich im Sande verlaufen oder der Zahn der Zeit die Tränen getrocknet hat, ist die Metaphern-Sprache nicht bloß gründlich daneben gegangen; sie provoziert darüber hinaus Missverständnisse und verweist dadurch in die falsche Richtung. Noch weniger als Journalismus eine literarische Kunstform ist, ist das Web ein journalistisches Massenmedium. Das Prinzip Leseanreiz funktioniert im Web nicht auf dieselbe Weise wie in der Zeitung. Die Netztechnik verstärkt das Missverständliche. Wer bei Google nach Gartenscheren sucht, meint das Gartenhandwerkszeug und nicht Sparmaßnahmen in der Politik („Mit der Gartenschere an den Bundeshaushalt“). Die Zahl der Leser, die Ironie mögen oder auch nur erkennen, ist immer kleiner als Journalisten möchten. Nennen Sie die Dinge einfach beim Namen! Je konkreter, desto besser. Das gilt insbesondere auch für Linktexte. Suchmaschinen gehen ebenso wie Nutzer davon aus, dass diese Wörter mit Bedacht als Hinweis oder Kurzbeschreibung gewählt wurden. Nichtssagende Linktexte nach dem Muster „Hier!“ oder „Hier klicken!“ sollten deshalb vermieden werden.
9. Statt des Knäuels die Tabelle.
Jedes Medium, das mit Schrift umgeht, setzt gestalterische Elemente ein, um die Informationen, die es zu vermitteln gilt, in Einheiten zu gliedern. Die Leser erkennen diese Hervorhebungen für gewöhnlich intuitiv und weisen ihnen eine Bedeutung zu. Die wohlüberlegte optische Gliederung ist neben geläufigen Wörtern, vielen Verben und linearem Satzbau die vierte Säule in der Verständlichkeitsforschung. Auf Google erkennt wohlstrukturierte Texte und bewertet diese Texte und hervorgehobene Begriffe sowie Begriffe in Aufzählungen etwas höher als unübersichtliche Bleiwüsten. Als Faustregel für Online-Texte gilt: mindestens zwei Absätze pro Bildschirm. Doch Vorsicht: Wenn jedes zweite Wort im Fließtext fett hervorgehoben wird – sei es mit dem <b>-Tag oder <strong>-Tag –, hat es den gegenteiligen Effekt: Es verwirrt Suchmaschinen und Nutzer.
10. Schreiben Sie Texte für Nutzer!
„Erstellen Sie Seiten in erster Linie für Nutzer, nicht für Suchmaschinen.“ So kann man es in den Google-Qualitätsrichtlinien für Webmaster nachlesen. Wer sich intensiver mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, weiß, dass diese Empfehlung alles andere ist als leeres Phrasengeklingel. Am Anfang vieler Ranking-Updates stehen Nutzer-Befragungen, die anschließend in Algorithmen übersetzt werden. Seit 2010 experimentiert Google verstärkt mit menschlichen Empfehlungen, sei es direkt, indem die Empfehlungen aus sozialen Netzwerken ins Ranking einbezogen werden, oder indirekt, indem das Klick- und Surfverhalten ausgewertet wird. Die nutzerorientierte Text- und Webseitengestaltung macht sich in jedem Fall bezahlt. Denn eine verwirrende Seite wird der Nutzer schneller wieder verlassen haben, als er gekommen ist, geschweige denn seinen Kontakten bei Facebook, Twitter, Google+ und Co. weiterempfehlen.
Quelle: t3n.de