Lautes Denken

Unter dem Lauten Denken versteht man eine Methode, die es ermöglicht, das eigene Denken bzw. das anderer Personen zu verbalisieren. Mentale Prozesse werden so sichtbar. Ziel dabei ist es, herauszufinden, welche kognitiven Prozesse während der Befassung mit einer Aufgabe ablaufen. Die Probanden müssen, während sie die Aufgabe bearbeiten, ihre Gedanken laut äußern. Dabei ist es wichtig, dass auch Denkprozesse geäußert werden, die dem Tester unwichtig erscheinen. Dadurch können Schlussfolgerungen bezüglich der Eindrücke, Gefühle und Absichten gezogen werden. Die einzelnen Aussagen werden möglichst sachlich, d.h. ohne Wertung, durch den Versuchsleiter protokolliert. Dieser ist auch dafür zuständig, den Probanden in Pausen zum Weitersprechen zu ermuntern. Meist werden, um die nachfolgende Analyse zu erleichtern, technische Hilfsmittel wie z.B. Diktiergeräte oder Kameras (Eye Tracking, Videoaufzeichnungen) benutzt. Geübten Testern fällt die Methode des Lauten Denkens oftmals leichter als Ungeübten.

Anwendung:
  • in der Softwareentwicklung: Erprobung der Gebrauchstauglichkeit von Systemen (Grundlage Prototypen)

  • in der Psychologie und Linguistik: regelmäßiger Einsatz in Forschungszwecken
Vorteile:
  • Vermeidung nachträglicher Rationalisierung des eigenen Verhaltens, da noch während der Untersuchungssituation deutlich wird, wie und warum die Probanden etwas tun
Nachteile:
  • Durch die Verbalisierung der Gedanken und Gefühle wird die Aufgabenlösung beeinflusst. Einzelne Probanden lösen dadurch die Aufgaben reflektierter, andere sind damit wiederum langsamer oder haben Probleme, gleichzeitig zu sprechen und durch das System zu navigieren.
Ablauf:
  • Einstieg (gibt Versuchspersonen Sicherheit und Orientierung)
  • Beobachtung (Beobachter sollte Kenntniss vom Projekt haben, aber nicht selbst Entwickler oder Designer sein)
  • Interview (im Anschluss an die Beobachtung, dient der besseren Auswertung)
  • Auswertung (des Schrift- und Tonmaterials)