Menschen sagen nicht immer das was sie denken und manchmal, so wird angenommen, wissen sie auch nicht, was sie denken.
Um diesen Aspekt zu untersuchen, stellte Anthony Greenwald 1998 im Journal of Personality and Social Psychology ein neues Verfahren vor, welches sich rasant verbreitete - der Implizite Assoziationstest oder kurz IAT. Diese Methode zeigt die Unterschiede zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten und stammt ursprünglich aus der Sozialpsychologie. In der Persönlichkeitspsychologie nimmt der Implizite Assoziationstest einen besonderen Stellenwert ein, da er auf der Messung von Reaktionszeiten beruht über die dann indirekt auf basierende Persönlichkeitsmerkmale geschlossen wird. Explizite Selbstberichte, so wie sie in klassischen Fragebögen vorkommen, sind nicht erforderlich.
Greenwald et. griffen bei ihren Messungen von Einstellungen, Stereotypen oder Vorurteilen verstärkt auf experimentelle Verfahren der kognitiven Psychologie zurück. Der Implizite Assoziationstest besteht aus einer computergestützten Diskriminationsaufgabe, das bedeutet, dass der Proband auf zwei ähnliche aber unterschiedliche Reize reagieren und diese so schnell wie möglich kategorisieren muss.
Man kann dabei folgende Formen unterscheiden:
Eine Objekt-Dikriminierungs-Aufgabe beschreibt beispielsweise ein sogenannter Selbstwert-IAT. Dabei muss der Proband Worte mit Selbstbezug (z.B. "ich") und Worte ohne Selbstbezug (z.B. "sie") per Tastendruck schnellstmöglich den Kategorien "selbst" oder "andere" (sogenannte Objekt-Reize) zuordnen.
Bei der evaluierenden Entscheidungsaufgabe muss der Proband beispielsweise positive und negative Worte (z.B. "Sonne", "Ungeziefer") so schnell wie möglich den Kategorien "positiv" und "negativ" zuordnen (Attribut-Reize).
Wichtig sind beim Impliziten Assoziationstest zwei unterschiedliche Kombinationen dieser beiden Diskriminationsaufgaben:
Daraus lässt sich der IAT-Score (Unterschied der mittleren Reaktionszeiten zwischen konkruenter und inkonkruenter Kombination) bestimmen. Dieser wird als Maß für den impliziten Selbstwert interpretiert.
Die folgende Tabelle zeigt den standardmäßig aufgebauten IAT anhand des oben genannten Beispiels:
| Block | Was wird trainiert? | Taste | Belegung |
| 1. | Tastaturbelegung für Objekt-Reiz | rechts | Worte mit Selbstbezug |
| links | Worte o. Selbstbezug | ||
| 2. | Tastaturbelegung für Attribut-Reiz | rechts | positive Worte |
| links | negative Werte | ||
| 3. | Kombination der Kategorisierungs- | rechts | positive Worte od. |
| aufgaben mit der gelernten | Worte mit Selbstbezug | ||
| Tastaturbelegung | links | negative Worte od. | |
| Worte o. Selbstbezug | |||
| 4. | Tastaturbelegung für Objekt-Reiz | rechts | Worte o. Selbstbezug |
| wird vertauscht | links | Worte mit Selbstbezug | |
| 5. | Kombination der Kategorisierungs- | rechts | positive Worte od. |
| aufgaben mit der vertauschten | Worte o. Selbstbezug | ||
| Tastaturbelegung | links | negative Worte od. | |
| Worte mit Selbstbezug |
Der Implizite Assoziationstest ist sehr flexibel einsetzbar. Auf der einen Seite lassen sich die oben beschriebenen evaluativen Attribute durch eine Menge anderer Attribute, wie zum Beispiel Schüchternheit oder Ängstlichkeit, ersetzen. Auf der anderen Seite können auch die oben beschriebenen Objekte durch andere Einstellungsobjekte, wie zum Beispiel ethnische Herkunft oder Geschlecht, ersetzt werden. Diese Objekte lassen sich wieder mit den Attributen kombinieren. Der implizite Assoziationstest ist demnach, obwohl meist von einem standardisierten Test gesprochen wird, eine methodische Prozedur, die für ganz verschiedene Bereiche angepasst und verwendet werden kann.