Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0

Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) 2.0 wurden durch das W3C-Verfahren in Kooperation mit Einzelpersonen und Organisationen auf der ganzen Welt entwickelt und haben am 11. Dezember 2008 Empfehlungsstatus erhalten.


Sie definieren einen gemeinsamen Standard für die Barrierefreiheit von Webinhalten. Barrierefreiheit umfasst hierbei ein weites Feld an Behinderungen, einschließlich visueller, auditiver, motorischer, sprachlicher, kognitiver, Sprach-, Lern- und neurologischer Behinderungen. Auch für ältere Personen mit sich altersbedingt ändernden Fähigkeiten werden Webinhalte so besser nutzbar.


Die WCAG 2.0 bauen auf den WCAG 1.0 auf und wurden so konzipiert, dass sie sich weitgehend auf verschiedene Webtechniken der Gegenwart und Zukunft anwenden lassen sowie mit einer Kombination aus automatisierten Tests und der Evaluation durch Menschen testbar sind.


Im Gegensatz zu den WCAG 1.0 konzentrieren sich die WCAG 2.0 nicht mehr auf HTML und CSS als wichtigste Standards des Internets, sondern beschreiben allgemeiner, wie Layouts, Interaktionen u.a. gestaltet sein müssen, damit das Angebot barrierefrei ist. Die Umsetzung dieser Richtlinien für die einzelnen Technologien wie HTML, Java, Flash oder PDF obliegt den jeweils verantwortlichen Institutionen bzw. Unternehmen.


Obwohl es möglich ist, konform zu WCAG 1.0 oder WCAG 2.0 zu sein (oder zu beiden), empfiehlt das W3C, dass sich neue und aktualisierte Inhalte an die WCAG 2.0 halten.

WCAG 2.0 - Richtlinien

 

1. Wahrnehmbar - Informationen und Bestandteile der Benutzerschnittstelle müssen den Benutzern so präsentiert werden, dass diese sie wahrnehmen können.

  • Stellen Sie Textalternativen für alle Nicht-Text-Inhalte zur Verfügung, so dass diese in andere vom Benutzer benötigte Formen geändert werden können, wie zum Beispiel Großschrift, Braille, Symbole oder einfachere Sprache.
  • Stellen Sie Alternativen für zeitbasierte Medien zur Verfügung.
  • Erstellen Sie Inhalte, die auf verschiedene Arten dargestellt werden können (zum Beispiel mit einfacherem Layout), ohne dass Informationen oder Strukturen verloren gehen.
  • Machen Sie es für den Benutzer leichter, Inhalte zu sehen und zu hören, einschließlich der Trennung zwischen Vordergrund und Hintergrund.


2. Bedienbar - Bestandteile der Benutzerschnittstelle und Navigation müssen bedienbar sein. Bedienbar - Bestandteile der Benutzerschnittstelle und Navigation müssen bedienbar sein.

  • Sorgen Sie dafür, dass alle Funktionalitäten von der Tastatur aus verfügbar sind.
  • Geben Sie den Benutzern ausreichend Zeit, Inhalte zu lesen und zu benutzen.
  • Gestalten Sie Inhalte nicht auf Arten, von denen bekannt ist, dass sie zu Anfällen führen.
  • Stellen Sie Mittel zur Verfügung, um Benutzer dabei zu unterstützen zu navigieren, Inhalte zu finden und zu bestimmen, wo sie sich befinden.


3. Verständlich - Informationen und Bedienung der Benutzerschnittstelle müssen verständlich sein.

  • Machen Sie Textinhalte lesbar und verständlich.
  • Sorgen Sie dafür, dass Webseiten vorhersehbar aussehen und funktionieren.
  • Helfen Sie den Benutzern dabei, Fehler zu vermeiden und zu korrigieren.


4. Robust - Inhalte müssen robust genug sein, damit sie zuverlässig von einer großen Auswahl an Benutzeragenten einschließlich assistierender Techniken interpretiert werden können.

  • Maximieren Sie die Kompatibilität mit aktuellen und zukünftigen Benutzeragenten, einschließlich assistierender Techniken.

Konformitätsbedingungen

 

Damit eine Webseite WCAG 2.0-konform ist, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:


1. Eine der folgenden Konformitätsstufen ist ist vollständig erfüllt.

  • Stufe A: Für eine Konformität auf Stufe A (die minimale Konformitätsstufe) muss die Webseite alle Erfolgskriterien der Stufe A erfüllen oder es wird eine konforme Alternativversion zur Verfügung gestellt.
  • Stufe AA: Für eine Konformität auf Stufe AA muss die Webseite alle Erfolgskriterien der Stufen A und AA erfüllen oder es wird eine Stufe AA-konforme Alternativversion zur Verfügung gestellt.
  • Stufe AAA: Für eine Konformität auf Stufe AAA muss die Webseite alle Erfolgskriterien der Stufen A, AA und AAA erfüllen oder es wird eine Stufe AAA-konforme Alternativversion zur Verfügung gestellt.


2. Konformität (und Konformitätsstufen) gelten nur für (eine) ganze Webseite(n) und kann nicht erreicht werden, wenn ein Teil einer Webseite ausgeschlossen ist.


3. Wenn eine Webseite Teil einer Folge von Webseiten ist, die einen Prozess darstellen, dann müssen alle Webseiten in dem Prozess zu der bestimmten Stufe oder höher konform sein.


4. Nur bei der Benutzung von Techniken auf eine die Barrierefreiheit unterstützende Art kann man sich darauf verlassen, dass die Erfolgskriterien erfüllt werden. Jegliche Information oder Funktionalität, die auf eine nicht die Barrierefreiheit unterstützende Art zur Verfügung gestellt wird, ist auch auf eine die Barrierefreiheit unterstützende Art und Weise verfügbar.


5. Wenn Techniken auf nicht die Barrierefreiheit unterstützende Art benutzt werden oder wenn sie auf nicht -konforme Art benutzt werden, dann blockieren sie nicht die Fähigkeit des Benutzers, auf den Rest der Seite zuzugreifen. Darüber hinaus erfüllt die Webseite als Ganzes weiterhin die Konformitätsbedingungen unter jeder der folgenden Bedingunge

  • wenn irgendeine Technik, auf die man sich nicht verlassen kann, in einem Benutzeragenten angeschaltet wird,
  • wenn irgendeine Technik, auf die man sich nicht verlassen kann, in einem Benutzeragenten ausgeschaltet wird und
  • wenn irgendeine Technik, auf die man sich nicht verlassen kann, nicht von dem Benutzeragenten unterstützt wird.